Wohnmobil-Führerschein 2022: Was darf ich fahren?

Wohnmobil-Führerschein: Alles was man wissen muss

Ein Wohnmobil ist für viele Familien untrennbar mit dem Urlaub verbunden. Auch andere Urlauber haben inzwischen die Vorzüge von Camping für sich entdeckt.

Doch egal, ob eigener Camper oder gemietetes Wohnmobil: Das Fahrzeug muss erst einmal bis zum Urlaubsort transportiert werden. An dieser Stelle stellt sich für viele die Frage nach dem richtigen Wohnmobil-Führerschein.

Was gibt es dabei zu beachten? Und was ist in diesem Zusammenhang mit dem Führerschein noch wichtig? Der vorliegende Beitrag soll näher auf diese Frage eingehen.

Der passende Wohnmobil-Führerschein bringt Sie überall hin
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Was ist der Wohnmobil-Führerschein?

Es liegt auf der Hand, dass man für das Führen eines Fahrzeugs in Deutschland einen gültigen Führerschein benötigt. Doch wie ist die Sachlage beim Wohnmobil geregelt? Grundsätzlich gilt, dass es für Wohnmobile keinen separaten Wohnmobil-Führerschein gibt. Dennoch gibt es einige Regelungen, die das Mitführen von Campern regeln – und diese betreffen auch den Führerschein.

Dafür sind zwei wichtige Faktoren ausschlaggebend: das Ausstellungsdatum des Führerscheins und das zulässige Gesamtgewicht des Zugfahrzeugs in Verbindung mit dem Camper. Dabei handelt es sich um das reine Materialgewicht des Anhängers inklusive sämtlicher Ladung wie Gepäck, Tankfüllungen und Passagiere. Dabei sind zwei unterschiedliche Gewichtsklassen auf dem Markt üblich, Camper bis 3,5 Tonnen und die größeren Ausfertigungen bis 7,5 Tonnen.

Die „alte“ Führerschein Klasse 3

Die erste wichtige Kennzahl für die Überlegung, welchen Führerschein man für das Wohnmobil benötigt, ist das Ausstellungsdatum. Liegt dieses beim eigenen Führerschein vor 1999, handelt es sich um einen „alten“ Führerschein Klasse 3.

Dabei spielt es keine Rolle, ob man noch mit einem „rosa Lappen“ unterwegs ist oder ob dieser bereits in das neue Format mit Scheckkarte umgestellt wurde – die Berechtigungen bleiben erhalten. Für das Führen eines normalen Kraftfahrzeugs war früher ein Führerschein der Klasse 3 erforderlich. Doch diese Führerscheinklasse berechtigt zu weit mehr als „nur“ dem Fahren von Autos.

Mit diesem Führerschein können Zugfahrzeuge bis zu einem zulässigen Gesamtgewicht von 7,5 Tonnen geführt werden. Dieses Gewicht reicht in der Regel auch für Wohnmobile aus; schwerere Fahrzeuge sind schon im Bereich der Lkws unterwegs. Bei den „alten“ Führerscheinen gelten trotz Bestandsschutz einige besondere Regelungen.

Ab einem Alter von 50 Jahren ist das Gesamtgewicht von Zugfahrzeugen beispielsweise auf 12 Tonnen beschränkt. Im Großen und Ganzen lässt sich jedoch festhalten: Mit einem „alten“ Führerschein muss man sich (nahezu) keine Gedanken über das Fahren von Wohnmobilen und Campern machen.

Aktuelle Führerscheinklassen

Mit der Umstellung auf die neuen Führerscheine gab es auch in Bezug auf die Fahrzeugklassen einige neue Regelungen. Eine derart großzügige Regelung wie davor gab es seitdem nicht mehr; die Führerscheine wurden hier nochmals klarer untergliedert.

Pkw Führerschein der Klasse B

Die mit Abstand häufigste Führerscheinklasse, die ausgestellt wird, ist die Klasse B. Dabei handelt es sich um den „normalen“ Scheckkarten Führerschein für Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 3,5 Tonnen.

Da die allermeisten Wohnmobile innerhalb dieser Gewichtsklasse liegen, hat man mit dem Führerschein der Klasse B also auch einen Wohnmobil-Führerschein. Bei der Berechnung des Gewichts spielt es keine Rolle, ob es sich um ein separates Wohnmobil oder um ein normales Auto mit Wohnanhänger handelt – das Gesamtgewicht der Kombinationen darf lediglich nicht über 3,5 t liegen.

Für den „Durchschnitts“- oder „Gelegenheitscamper“ reicht diese Gewichtsklasse auch völlig aus. Die mitgeführte Personenanzahl darf bei dieser Führerscheinklasse übrigens nicht höher als neun sein – ab zehn Personen benötigt man also einen „höherwertigen“ Führerschein.

Sonderklasse B96

Oft wird fälschlicherweise angenommen, dass es sich bei dem sogenannten B96 um den klassischen Wohnmobil-Führerschein handelt.

Doch dem ist nicht so, zumindest nicht ganz. Denn beim B96 handelt es sich genau genommen nicht um eine eigene Führerscheinklasse, sondern um einen Zusatz zum bereits oben genannten Führerschein Klasse B. Statt den 3,5 t Gesamtgewicht können mit diesem Zusatz bis zu 4,25 Tonnen bewegt werden. Im Bereich der klassischen Wohnmobile ergibt diese Gewichtsklasse wenig Sinn, da die meisten Zugfahrzeuge direkt auf entweder 3,5 t oder 7,5 t ausgelegt sind.

In einigen Fällen kann man jedoch mit einem Campinganhänger leicht über die 3,5 t Grenze kommen. Eine eigene Fahrprüfung ist für den Erwerb von B96 übrigens nicht nötig. Dafür genügt schon ein Lehrgang, der bei den meisten Fahrschulen innerhalb eines Tages absolviert werden kann.

Der „Anhängerschein“ BE

Die Maschinen werden nun schrittweise immer größer. Mit dem Anhänger Führerschein kann bereits die doppelte Last als mit dem „normalen“ Führerschein transportiert werden.

Genau genommen dürfen es für das Fahrzeug selbst bis zu 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht und für den Anhänger noch einmal das gleiche Gewicht sein. Dieser Führerschein bietet sich besonders für große und geräumige Wohnmobile an. Bis zu 7 Tonnen Gesamtgewicht bewegen zu können, ist schon eine Hausnummer.

Für den Erwerb genügt dann allerdings auch kein einfacher Kurz-Lehrgang mehr. Eine theoretische sowie eine praktische Prüfung ist für diese Führerscheinklasse erforderlich.

Die Lkw Führerschein Klasse C1

Wem die beschriebenen Gewichtsklassen einfach nicht ausreichen und mit einem echten „Monster“ unterwegs sein möchte, für den eignet sich wahrscheinlich der nächstgrößere Führerschein der Klasse C1.

Umgangssprachlich wird dieser auch „Lkw-Führerschein“ genannt.

Mit diesem Führerschein können die richtig großen Wohnmobile gelenkt werden, die es auf über 3,5 t Gesamtgewicht bringen – genau genommen können Sie damit zu 7,5 Tonnen fahren. Zusätzlich dazu sind bei dieser Klasse auch kleine Anhänger mit bis zu 750 Kilo Gesamtgewicht inbegriffen. Für den Erwerb ist der Führerschein Klasse B zwingende Voraussetzung.

Die gesetzlichen Regelungen für diesen Führerschein sind deutlich strenger als bei den vorher genannten Führerscheinklassen. Zunächst steht ein Gesundheitscheck sowie ein Eignungstest an. Nur, wer diese besteht, wird überhaupt zur Prüfung zugelassen, welche ebenfalls zwingend vorgeschrieben ist. Auch die Ausstellungsfrist ist beim Führerschein C1 verkürzt: Sie beträgt gerade einmal 5 Jahre.

Nach Ablauf dieser Zeit steht wieder ein Gesundheitscheck an. Kleine Notiz am Rande: Für diese Fahrzeuge gelten dann auch die Lkw Verkehrszeichen, wie etwa das Lkw Überholverbot!

Für LKW mit Anhänger: C1E

Wer es noch eine Spur größer mag (oder braucht), der kann den oben genannten Führerschein Klasse C1 noch um das Anhängermodul erweitern.

Dadurch erhöht sich zwar nicht das Gesamtgewicht des Zugfahrzeugs – dieses beträgt weiterhin stolze 7,5 t. Allerdings kann ein großer Anhänger hinten angeschlossen werden: Bis zu 3,5 Tonnen sind für den Anhänger zulässig.

Davon abgesehen sind die Regeln zum Erwerb der Fahrerlaubnis C1E ist dabei identisch wie beim Führerschein der Klasse C1 – inklusive regelmäßigem Gesundheitstest. Aufgrund dieses Aufwands und der recht hohen Kosten eignet sich dieser Führerschein für die allermeisten Campingurlauber nicht.

Die Wohnmobil-Führerschein der Klasse CE und Klasse C

Bei diesen Führerscheinklassen gibt es keine Begrenzungen mehr nach oben. Damit können also auch Wohnmobile mit mehr als 7,5 Tonnen Gesamtgewicht bewegt werden.

Allerdings sind diese Führerscheinklassen eher ausgelegt auf den gewerblichen Güterverkehr. Der „normale“ Campingurlauber wird mit diesen Führerscheinklassen nur relativ wenig anfangen können.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass für die meisten Urlauber der klassische Führerschein mit Klasse B ausreicht. Damit können Wohnmobile bis zu 3,5 Tonnen Gesamtgewicht befördert werden – das genügt in der Regel. Wer einen großen Anhänger mitbefördern möchte, etwa für Fahrräder, zahlreiches Gepäck oder wer gerne Bleibarren dabei hat, kann sich das Zusatzmodul BE überlegen.

Wem in Ausnahmefällen die 3,5 t für das Zugfahrzeug nicht ausreichen, kann zur Lkw Führerschein Klasse C1 greifen. Alles, was darüber hinausgeht, ist in der Praxis nicht wirklich von Bedeutung.

Testbeschreibung

Wie viel kostet ein Wohnmobil-Führerschein?

Eine Pauschalaussage über die Kosten eines Wohnmobil-Führerscheins sind natürlich nur sehr schwer möglich. Einerseits verlangen die Fahrschulen teilweise deutlich unterschiedliche Preise. Andererseits hängt der Endpreis auch vom Fahrschüler selbst ab: Wie viele Fahrstunden werden benötigt? Muss eine Fahrprüfung eventuell wiederholt werden?

Grundsätzlich gilt: Je mehr Aufwand mit dem Erwerb eines Führerscheins verbunden ist, desto höher sind die Kosten.

Wie bereits erwähnt, wird für das Führen von Wohnwägen und Campern der Autoführerschein Klasse B vorausgesetzt. Allein dieser schlägt schon mit zwischen 1.500 und 2.500 Euro zu Buche. Für die Upgrades in der Klasse B werden dann jedoch nicht mehr so hohe Preise verlangt. So kostet der Anhängerschein BE ungefähr 400 bis 600 Euro. Der relativ neue Führerscheinzusatz B96 ist etwas günstiger und kostet etwa 350 bis 450 Euro.

Die größere Führerscheinklasse macht nicht nur mit schwereren Zugfahrzeugen, sondern auch mit höheren Preisen auf sich aufmerksam. Der Führerschein C1 (bis zu 7,5 t) kosten mindestens 2.000 Euro – nur, wenn die Pflichtstunden ausreichen und die Fahrprüfung nicht wiederholt werden muss.

Daher können schnell auch zwischen 2.500 bis 3.500 Euro für den Führerschein fällig werden.

Was ist sonst noch zu beachten?

Immer wieder hört man von Campingbegeisterten, welche die gesetzlichen Vorgaben umgehen möchten. Statt also den vorgeschriebenen Führerschein zu erwerben, setzen sie sich einfach so ans Steuer. Dabei handelt es sich jedoch um weit mehr als einen Kavaliersdelikt – es ist sogar eine Straftat. Neben hohen Geldstrafen gibt es dafür in der Regel auch Punkte in Flensburg. Ebenso ist ein Entzug des Führerscheins möglich sowie in besonders schweren Fällen eine Freiheitsstrafe. Da sind die Kosten für den Führerschein definitiv besser investiert.

Auch beim Gesamtgewicht wird immer wieder gerne etwas „gemogelt“. Der einfache Gedanke dahinter: Ein Betrug fällt nicht so schnell auf und ist auch nicht leicht zu beweisen. Doch beide Behauptungen stimmen nicht mit der Wahrheit überein! Ein kurzer Blick in die Fahrzeugpapiere genügt, um das zulässige Gesamtgewicht festzustellen.

Die Beamten haben schon einen geübten Blick und erkennen verdächtige Autos recht schnell. Zum Wiegen kommt anschließend oft ein kleines Gerät zum Einsatz, auf welches das Auto auffahren muss – und schon ist eine Überladung bewiesen. Auch dabei drohen empfindliche Strafen sowie Punkte in Flensburg.

Wer überdies im Ausland unterwegs ist, sollte sich im Vorfeld bereits über die geltenden Vorschriften informieren. Denn die Führerscheine und Gewichtsklassen können andernorts andere Berechtigungen enthalten als bei uns. Um daher unliebsame Überraschungen und hohe Geldstrafen zu vermeiden, sollten die Eckdaten bereits vor Antritt der Reise abgeklärt sein.

Fazit

Die Frage nach dem Wohnmobil-Führerschein ist kurz zu beantworten: Es gibt ihn nicht. Doch die Erklärung dafür ist etwas aufwendiger.

Mit dem „normalen“ Führerschein der Klasse B für Autos ist man bereits zum Führen von Wohnmobilen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 3,5 t sowie einem Anhänger bis zu 750 Kilogramm. Das genügt für die meisten Wohnmobile und Campingwagen.

Mit verschiedenen Erweiterungen oder anderen Führerscheinen lassen sich beide Faktoren erweitern, sodass für jeden Camper-Geschmack der richtige Führerschein dabei ist. So lassen sich etwa mit der Führerschein Klasse C Zugfahrzeuge bis zu einem Gewicht von 7,5 t bewegen – das sollte selbst für ambitionierte Camper ausreichen.

Das Fahren ohne Führerschein sollte man hingegen unterlassen, ebenso wie das Überladen des Wohnmobile. Wer im Ausland unterwegs ist, sollte sich zusätzlich über die geltenden Regeln vor Ort informieren.

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